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Datum Pegelstände
17.8.2002
31.3.1845
01.3.1784
16.8.1501
07.2.1655
24.8.1275
31.7.1890
22.7.1432
17.3.1940
04.4.2006
*
9,40 m
8,77 m
8,57 m
8,57 m
8,40 m
8,40 m
8,37 m
8,30 m
7,78 m
7,50 m
* Bis auf diese Ergänzung stammen die Daten aus der Dokumentation "Flutkatastrophe 2002: Das Augusthochwasser in Dresden" (Hg. Landeshauptstadt, 2004) Als frühestes Ereignis wird das Jahr 1015 genannt, der Pegelstand ist jedoch nicht bekannt.



Geschichte
der Elbhochwasser und Schutzmaßnahmen


Seit fast tausend Jahren sind Pegelstände von Elbhochwassern dokumentiert. Keines dieser Hochwasser erreichte die Rekordmarke vom August 2002. Dem damaligen Pegelstand von 9.40 m am nächsten lag das Hochwasser von 1845 mit einem Pegelstand von 8,77 m, gefolgt von einer Flut 1890, die mit 8,37 m gut einen Meter unter dem Pegel von 2002 lag. Der damals populäre Begriff "Jahrhundertflut" ist vielleicht sogar etwas untertrieben. In der Fachwelt wird von einem Wiederkehrintervall zwischen 100 und 150 Jahren gesprochen
.

Die damalige Durchflussfülle (so der exakte Fachbegriff) lag jedoch "in der Nähe eines 100jährlichen Ereignisses" (HQ100). Nach Angaben aus dem Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) waren die Durchflussfüllen vom August 2002 und März/April 2006 gleich groß, dennoch lag der höchste Pegelstand in letzterem Fall fast zwei Meter tiefer als 2002. Dies sei der besseren Vorhersage und Regulierung in tschechischen Stausystemen zu verdanken gewesen.  Daraus ist ersichtlich, dass HQ und Pegelstände völlig verschiedene Werte sind, die - jeder für sich gesehen - nur bedingt als Kriterium für ein "Schutzziel" herangezogen werden können.

Hohe Pegelstände sind Folgen der Urbanisierung und der mit ihr einhergehenden Vernichtung von Retentionsräumen.  Durch eine Bauordnung von 1905 wurde einer weiteren Bebauung der Dresdner Elbwiesen Einhalt geboten. Der amtierende Leiter des Umweltamtes, Dr. Christian Korndörfer, erklärte in unten zitierter Dokumentation von 2004: "Nach 1990 gab der Dresdner Stadtrat dem Bebauungsdruck auf die im Retentionsraum liegenden Flächen an vielen Stellen nach, so dass der Hochwasserschutz nur noch auf ein 100-jährliches Hochwasser (8,17 m) ausgelegt war." Die nunmehr bestehenden weiträumingen Brückenzufahrten zur Waldschlösschenbrücke sind dabei noch nicht berücksichtigt. Eine weitere Bebauung von Retentionsraum und die Einengung des Flussbettes (durch Dämme und Flutschutzmauern) könnte in der Zukunft zu noch verherrenderen Hochwasserfolgen als 2002 führen!

Weiterführende Verweise und eine interaktive Karte zum Überschemmungsgebiet finden sich unter www.dresden.de


Einfluss des Klimawandels


Infolge des globalen Klimawandels wird mit einer Häufung außergewöhlicher Niederschlagsereignisse gerechnet und somit auch mit einer Zunahme von Hochwassern. Welche Folgen dieser Klimawandel etwa für Hochwasser der Elbe hat, damit beschäftigt sich das GLOWA-Elbe Buch "Auswirkungen des globalen Wandels auf Wasser, Umwelt und Gesellschaft im Elbegebiet" (nähere Infos).

Aus Computer-Simulationen des Klimawandels durch das Max-Planck-Institut wird gefolgert: "Die deutschen Flüsse, wie z. B. Elbe, Oder, Rhein und Donau, liegen bei diesen Simulationen in einem Bereich, wo nur geringe Änderungen der Extremereignisse auftreten."  Nach der weiter unten folgenden Dokumentation,* wird davon ausgegangen, "dass sich die Hochwassergefahr an der Elbe erst ab 2060 durch die laufende Klimaentwicklung signifikant erhöhen wird."

Ob diesbezügliche Szenarien also bereits jetzt und so weitgreifende Eingriffe in die Flusslandschaft rechtfertigen, wie sie zurzeit konzipiert sind (HWSK von 2008), ist fraglich.

* Die Dokumentation der Landeshauptstadt unter dem Titel "Flutkatastrophe 2002: Das Augusthochwasser in Dresden" liegt als CD-Rom in Form einer Webpräsentation vor. Aus ihr sei im folgenden zitiert. Bei den fettgedruckten Sätzen handelt es sich um Hervorhebungen der Redaktion und bei rotgedruckten um Anmerkungen der Redaktion.


Aus der Dokumentation der Landeshauptstadt (2004)

"Hochwasser spielen sowohl im natürlichen Wasserkreislauf als auch im Entstehungsprozess einer Flusslandschaft wie dem Dresdner Elbraum eine wichtige Rolle. Probleme, Schäden und Katastrophen entstehen dann, wenn der Mensch den Fluss, sein Einzugsgebiet und die Uferlandschaft durch Siedlung oder Bewirtschaftung übermäßig beansprucht. Die damit meist verbundenen Veränderungen der Wasserläufe und die Niederlassung materieller Werte im Gewässerbereich können bei sonst unspektakulären Naturereignissen dramatische Folgen für Mensch und Natur haben.

Größtes Oberflächengewässer im Raum Dresden ist die Elbe. Links- und rechtselbisch münden innerhalb der Grenzen der Landeshauptstadt 39 weitere Fließgewässer in den Strom. Diese Landschaftselemente prägen den unverwechselbaren Charakter der Stadt wesentlich mit. Diese naturgegebene Landschaft unterlag mit der Entwicklung Dresdens vom kleinen Fischerdorf zu einer Großstadt einer immer stärkeren Nutzung und Beanspruchung. Einen außerordentlichen Entwicklungsschub machte die Stadt im 19. Jahrhundert, als sich die Zahl ihrer Einwohner und ihre Fläche vervielfachte und viele ländliche Gebiete verstädterten. Die steigenden Bedürfnisse und Ansprüche der Bevölkerung führten zur stärkeren Erschließung und Nutzung vormals unbesiedelter Stadtteile. Dies betraf auch die bei Hochwasserereignissen regelmäßig überfluteten Elbauen und Flussniederungen.

Die Elbe und ihre Nebenflüsse bestimmen das Landschaftsbild von Dresden wesentlich mit. Zahlreiche historische Berichte und Aufzeichnungen liegen über die Hochwasser im sächsischen Raum vor (siehe auch Literatur in der Quellenangabe). Alle Gewässer führen jahreszeitabhängig unterschiedliche Wassermengen ab. Spektakulär und in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt das Fließverhalten dann, wenn es zu extremem Niedrig- oder zu Hochwasser kommt. Durch die enorme Zerstörungskraft von Elbe und Vereinigter Weißeritz stehen diese Flüsse besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Extremereignisse verursachten dort in der Vergangenheit immer wieder Verluste an Menschenleben und enorme Schäden an Hab und Gut.

Im Gegensatz dazu waren und sind Hochwasser an anderen Elbzuflüssen der Stadt wie beispielsweise an Lockwitzbach, Kaitzbach, Weidigtbach, Tännichtgrundbach, Loschwitzbach oder Friedrichsgrundbach und Keppbach in ihrer Wirkung lokal begrenzt. Da ihre Mündungsbereiche früher überwiegend landwirtschaftlich geprägt waren, fanden sie bei den Dresdnern weniger Beachtung."


Hochwasserschutzmaßnahmen im 19. und 20. Jahrhundert

„Bis 1867 war der Weg neben der Trille [Loschwitzbach, Anm.d.V.] im Grund zwischen Bühlau und Loschwitz noch unbefestigt. Noch im 19. Jahrhundert hat der Bach die Wasserräder von sieben Mühlen gedreht. ... Häufige Hochwässer waren zunächst Anlass zur Errichtung von Stützmauern an der Trille. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte der Ausbau der Grundstraße für den Straßenverkehr und hierzu auch die Bachkanalisierung im Unterlauf, allerdings wohl hydrodynamisch nicht optimal, wie die vielen Reparaturarbeiten bis zur letzten grundhaften Sanierung 1999 zeigten.“ (C. Adam in: Dresdner Hefte 67)

"Obgleich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert mehrere Extremhochwasser Dresden überschwemmten, zog die zunehmende Industrialisierung eine stärkere Nutzung der vorhandenen Oberflächengewässer und Flusslandschaften nach sich. Dies führte einerseits zu nachhaltigen Veränderungen am Gewässerlauf und zu Hochwasserschutzmaßnahmen im Oberlauf des jeweiligen Elbenebenflusses. Andererseits ergriff die Stadt gezielt städteplanerisch sinnvolle und nachhaltig wirkende Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe und den angrenzenden Uferbereichen.

Maßnahmen im Einzugsgebiet der Elbe

– Begradigung der Elbe für die Elbeschifffahrt (nicht im Stadtgebiet von Dresden)
– Beseitigung von ausgewählten Elbinseln zur besseren Schiffbarkeit der Elbe
– Beseitigung von Bebauung zum Erhalt eines ausreichenden Stromquerschnittes
– 1860–90: Stadtratsbeschluss und Bebauungsplan zur dauerhaften Freihaltung der Elbewiesen,
   Festlegung der Normalbreite der Elbe
– 1906–10: Bau der Flutrinne Ostragehege
– 1918–21: Bau der Flutrinne Kaditz
– Rückverlegung des Elbdeiches in Stetzsch im Zusammenhang mit der Verbreiterung der Kaditzer Flutrinne zwischen 1926 und 1928
– 1927 Errichtung eines Pumpspeicherwerkes, u. a. mit einem Stausee in der Elbaue (Niederwartha)



Maßnahmen im Einzugsgebiet der Vereinigten Weißeritz

– 1893: Umverlegung und Kanalisierung der Vereinigten Weißeritz im Stadtgebiet, Beseitigung von Mühlgräben
– Bau der Brauchwassertalsperre Malter für die Rote Weißeritz
– Bau der Trinkwassertalsperren Klingenberg und Lehnmühle für die Wilde Weißeritz


Hochwasserschutzsystem für die Elbe in Dresden

Dresden verfügte im August 2002 über ein Schutzsystem, das die besiedelten Stadtbereiche und insbesondere die Innenstadt mit ihren unermesslichen Kunstschätzen vor Elbehochwasser bis zu einem Elbe-Pegelstand von etwa 8,50 Metern zuverlässig schützt. In der Bauordnung von 1905 wurden die für den Hochwasserschutz benötigten Flächen von der Bebauung dauernd ausgeschlossen. Daran hat man sich bis heute weitgehend gehalten, obwohl insbesondere nach 1990 immer wieder der Versuch unternommen wurde, Teile in Bauland umzuwandeln.*

* Dieser Absatzt widerspricht teilweise der weiter oben zitierten Aussage von Dr. Christian Korndörfer, insbesondere der dort genannten Zahl von nur noch 8,17 m (als sicherer Schutzmarke für die Stadt Dresden).


Beim Hochwasserschutzsystem wirken im Wesentlichen drei Prinzipien zusammen:
– Oberhalb vom Stadtzentrum nehmen weite Auen und trocken gefallene Altelbarme eine von Tschechien kommende Flutwelle auf und lassen sie in diesen Überflutungsflächen breitlaufen.
– Nahe des Stadtzentrums erweitern zwei Flutrinnen den Stromquerschnitt und lassen die Hochwasserwelle hierdurch schneller und schadloser abfließen.
– Unterhalb der Stadt wird die Welle in einem großen eingedeichten Retentionsraum erneut gebrochen, bevor sie die nächste Stadt erreicht.


Flutwiesen und -deiche unterhalb des Stadtzentrums

Eine von der Stadt Dresden im Jahr 2000 erlassene Rechtsverordnung setzte das Überschwemmungsgebiet der Elbe mit einer Gesamtfläche von 1557 Hektar rechtlich fest und regelte die verträgliche Nutzung. Im Interesse der Sicherheit der Stadtbevölkerung und der wertvollen Kultur- und Sachgüter gelten Restriktionen für die Bodennutzung und die Errichtung von Hoch- und Tiefbauten. Im Durchströmungsbereich der Elbe besteht ein generelles Bauverbot. Jeder Verlust von Retentionsraum durch Bauvorhaben muss grundsätzlich durch Neuschaffung an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Das Oder-Hochwasser von 1997 wie auch das Elbe-Hochwasser vom August 2002 haben gezeigt, dass auch heute noch im Einzugsgebiet der Elbe Niederschläge auftreten können, die zu Hochwasserereignissen wie 1890 führen können. Einhundertprozentigen Hochwasserschutz wird es trotz größten technischen Fortschritts nicht geben. Ebenso kann niemand garantieren, dass die Elbe die Hochwassermarke vom August 2002 nicht bald wieder erreicht oder gar überschreitet."


Quellen:
Dresdner Hefte 67;
Ausgewählte Literatur:
Fügner, Dresdner Hefte, "Mühlberichte", "Hochwasserschutz in Sachsen"